Wer beim Laufen besser werden möchte, sollte die Belastungsreserve kennen und nutzen. Sie beschreibt den Bereich deiner Herzfrequenz, in dem dein Training besonders wirksam ist – von sehr locker bis sehr fordernd, konkret zwischen etwa 61 und 100 % deiner maximalen Herzfrequenz.
Und genau hier liegt einer der häufigsten Trainingsfehler: Viele Läufer bewegen sich immer im gleichen Intensitätsbereich. Sie laufen weder wirklich locker noch wirklich fordernd – und wundern sich, warum ihre Leistung stagniert.
Wenn du verstehst, wie deine Belastungsreserve funktioniert und wie du sie gezielt nutzt, wird dein Training nicht nur strukturierter – sondern vor allem wirksamer.
Was ist die Belastungsreserve?
Die Belastungsreserve beschreibt den Herzfrequenzbereich, in dem dein Training wirksam gesteuert werden kann.
Für das Lauftraining entscheidend ist vor allem der Bereich zwischen 61 und 100 % deiner maximalen Herzfrequenz (HFmax). In diesem Bereich setzt du Trainingsreize, die deine Leistungsfähigkeit verbessern.
Unterhalb dieses Bereichs geht es vor allem um Bewegung, Alltag und Regeneration – nicht um gezielte Trainingsentwicklung. Damit ist die Belastungsreserve der zentrale Bereich für dein Lauftraining.
Fixe und dynamische Belastungsreserve – der Unterschied
Die Laufcampus-Methode unterscheidet zwei Formen der Belastungsreserve. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie dir zeigt, wie du trainierst und was dein Training bewirkt.
Fixe Belastungsreserve (61–100 % der HFmax)
Die fixe Belastungsreserve ist der Bereich, in dem dein Training stattfindet. Hier liegen alle Dauerläufe und intensiven Einheiten.
Dieser Bereich ist methodisch festgelegt und beschreibt den Trainingskorridor, in dem du gezielt an deiner Leistungsfähigkeit arbeitest.
Viele Läufer nutzen diesen Korridor jedoch nur teilweise. Sie bewegen sich meist im mittleren Bereich und lassen sowohl die sehr lockeren als auch die wirklich intensiven Reize ungenutzt.
Dynamische Belastungsreserve (Ruhepuls bis HFmax)
Die dynamische Belastungsreserve beschreibt deinen gesamten physiologischen Spielraum – vom Ruhepuls bis zur maximalen Herzfrequenz.
Der entscheidende Punkt: Dieser Bereich ist veränderbar. Während die HFmax weitgehend konstant bleibt, kann dein Ruhepuls durch Training und Lebensstil sinken. Dadurch wird dein gesamter Belastungsspielraum größer.
Die fixe Belastungsreserve zeigt dir, wie du trainierst. Die dynamische Belastungsreserve zeigt dir, wie sich dein Körper entwickelt.
Die Trainingsbereiche innerhalb der Belastungsreserve
Die Belastungsreserve wird in der Laufcampus-Methode in klare Trainingsbereiche unterteilt. Diese Struktur hilft dir, dein Training gezielt zu steuern und unterschiedliche Reize bewusst einzusetzen.
61 bis 70 % der maximalen Herzfrequenz: SSL (Supersauerstofflauf)
Der Supersauerstofflauf ist bewusst sehr locker. Er unterstützt die Regeneration, verbessert die Durchblutung und ermöglicht dir, Trainingsumfang aufzubauen, ohne deinen Körper zu belasten.
71 bis 75 % der maximalen Herzfrequenz: LDL (Langsamer Dauerlauf)
Der langsame Dauerlauf ist das Fundament deiner Ausdauer. Hier entwickelst du die Fähigkeit, lange Strecken ökonomisch zu laufen.
76 bis 80 % der maximalen Herzfrequenz: MDL (Mittlerer Dauerlauf)
Der mittlere Dauerlauf setzt einen spürbaren Trainingsreiz. Genau hier machen viele Läufer den Fehler, zu häufig zu trainieren. Dann wird aus einem sinnvollen Bereich eine dauerhafte Belastung.
81 bis 85 % der maximalen Herzfrequenz: ZDL (Zügiger Dauerlauf)
Der zügige Dauerlauf verbessert deine Tempohärte und bereitet dich auf wettkampfnähere Belastungen vor.
86 bis 100 % der maximalen Herzfrequenz: Tempotraining bis Wettkampf
In diesem Bereich liegen Intervalle, Fahrtspiele und Wettkämpfe. Hier setzt du gezielte Reize, die deine Leistungsfähigkeit deutlich nach oben entwickeln.
Die Wirkung dieser Bereiche entsteht nicht einzeln, sondern durch ihre Kombination innerhalb deiner Belastungsreserve.
So bestimmst du deine Belastungsreserve
Bevor du deine Belastungsreserve sinnvoll nutzen kannst, solltest du deine individuellen Werte möglichst genau kennen.
Leistungsdiagnostik als Kardio-Laktat-Test
Die präziseste Methode ist eine Leistungsdiagnostik. Beim Kardio-Laktat-Test werden deine individuellen Pulsbereiche unter Belastung ermittelt. Du erhältst klare und belastbare Werte für dein Training.
LC1000 – der bewährte Selbsttest
Mit dem LC1000 kannst du deine Trainingsbereiche selbst bestimmen. Der Test ist praxiserprobt und bietet eine solide Grundlage für die Trainingssteuerung.
Je genauer deine Werte, desto besser kannst du dein Training steuern.
Mehr zur Leistungsdiagnostik:
Leistungsdiagnostik mit Kardio-Laktat-Test
Der häufigste Trainingsfehler
Ein typisches Beispiel aus der Praxis: Ein Läufer trainiert viermal pro Woche. Jeder Lauf fühlt sich „angenehm anstrengend“ an. Er läuft nie wirklich langsam, aber auch nie wirklich schnell.
Nach einigen Monaten stellt er fest: Er ist fitter – aber nicht schneller geworden.
Der Grund liegt fast immer in der gleichen Struktur: zu viel Training im mittleren Bereich der Belastungsreserve.
- Lockere Läufe sind zu schnell
- Intensive Einheiten sind zu wenig intensiv
- Das Training bleibt gleichförmig
Genau hier wird Potenzial verschenkt.
Warum „mittelschnell“ oft nicht besser macht
Viele Läufer glauben, dass ein gleichmäßig zügiges Tempo automatisch zu besseren Leistungen führt.
In der Praxis entsteht Fortschritt jedoch durch Unterschiede: sehr lockere Einheiten schaffen die Grundlage, intensive Einheiten setzen gezielte Reize. Wer ständig im gleichen Bereich läuft, nutzt seine Belastungsreserve nicht aus.
So nutzt du deine Belastungsreserve richtig
Die Belastungsreserve entfaltet ihren Nutzen erst durch die richtige Verteilung deiner Trainingsintensitäten.
Ein bewährter Ansatz ist das polarisierte Training.
Das bedeutet:
- viel Training im unteren Bereich (SSL und LDL)
- gezielte Einheiten im oberen Bereich (ZDL und Tempotraining)
- bewusste Reduktion des mittleren Bereichs (MDL)
Diese Struktur sorgt dafür, dass du ausreichend Umfang trainieren kannst, dich aber gleichzeitig gezielt forderst. Genau so nutzt du deine Belastungsreserve vollständig.
Ruhepuls und HFmax
Die maximale Herzfrequenz bildet die obere Grenze deiner Belastungsreserve und ist weitgehend genetisch vorgegeben.
Der Ruhepuls hingegen ist trainierbar. Ein sinkender Ruhepuls zeigt, dass dein Herz effizienter arbeitet und dein Körper sich an Belastung angepasst hat.
Damit vergrößert sich deine dynamische Belastungsreserve.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Die Belastungsreserve beschreibt den wirksamen Trainingsbereich
- Sie liegt zwischen 61 und 100 % der HFmax
- Fortschritt entsteht durch die richtige Verteilung der Intensitäten
- Viele Läufer trainieren zu oft im mittleren Bereich
Weiterführende Artikel für dein Training
- SSL – Supersauerstofflauf
- LDL – Langsamer Dauerlauf
- MDL – Mittlerer Dauerlauf
- ZDL – Zügiger Dauerlauf
- Intervalltraining beim Laufen
Über mich & Mehr Andreas
Ich bin Andreas Butz, Lauftrainer, Buchautor und Entwickler der Laufcampus-Methode. 2001 habe ich Laufcampus gegründet und begleite seither Läufer auf ihrem Weg zu neuen Bestleistungen – vom Einsteiger bis zum ambitionierten Marathonläufer.
Über 200 Marathons auf verschiedenen Kontinenten haben mir gezeigt: Entscheidend ist nicht, wie hart du trainierst, sondern wie klug.
Mehr über meine Arbeit und die Laufcampus-Methode:
Andreas Butz – Laufexperte
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